„WATERKANT trägt das Echo des Zollhafens in sich und unterstützt zugleich die Transformation des Areals zu einem pulsierenden Quartier am Wasser.“

Die Architekten

Interview mit Prof. Zvonko Turkali

Ihr Büro hat im Architektenwettbewerb Hafenallee II im Zollhafen Mainz den 1. Preis sowohl für den Bereich Hotel mit Gewerbe als auch für den Wohnungsbau gewonnen. Es heißt, eines der Entscheidungskriterien war, dass Ihr Entwurf die prominente Lage des Objektes an der Hafenallee in architektonisch hochwertiger Weise berücksichtigt hat. Welche städtebaulichen und gestalterischen Aspekte waren für Sie bedeutsam?

In der Tat handelt es sich um eine prominente Lage sowie eine stadträumliche Situation, die an ganz wenigen Orten in einer derartigen Qualität vorzufinden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass uns bei der Entwicklung des Gebäudeentwurfes die geschichtliche Dimension des Zollhafens, seine schönen Speichergebäude und die attraktive Lage am Wasser sehr beschäftigt haben. Unser Ziel ist es gewesen, ein Gebäudeensemble entstehen zu lassen, das das „Echo“ des Zollhafens in sich trägt und zugleich die Transformation des Areals zu einem pulsierenden Quartier am Wasser unterstützt. Dies erreichen wollen wir zunächst durch mehrere Maßnahmen, wie eine bodenständige, langlebige Materialität der Gebäude, deren Fassaden – in Anlehnung an die historischen Speichergebäude – aus Ziegelmauerwerk bestehen. Im Wohngebäude werden die Sichtbezüge zum Wasser durch großformatige Glasflächen und Fensteröffnungen herausgestellt. Besonders herausgearbeitete Faschen um die Fenster und tief in das Gebäudevolumen eingeschnittene Eingänge prägen die Eigenständigkeit sowie die Plastizität des Gebäudes und stärken die maritime Atmosphäre des Quartiers.

Welche Erwartungen stellen künftige Wohnungsbewohner Ihrer Meinung nach an das Gebäude und wie wird Ihr Entwurf diesen Erwartungen gerecht?

Wir sind uns bewusst: Die Erwartungen an ein Wohngebäude sind sehr vielfältig, weil die Bedürfnisse der Bewohner sehr unterschiedlich sind. Nur einige Beispiele: Für Kinder ist der Bewegungsraum im Freien besonders wichtig. Für Singles in einer kleinen Wohnung ist eine individuell anpassbare Funktionalität und Raumzonierung bedeutsam. Für eine mehrköpfige Familie ist eine Grundrissorganisation wichtig, die sowohl gemeinsam wie auch privat genutzte Räume anbietet. Nicht unerwähnt sollten die Aspekte der barrierefreien Erreichbarkeit der Wohnung und deren Nutzung bleiben, der hohen Energieeffizienz, der Tageslichtnutzung, der baulichen Qualität etc. Diese Aspekte und viele weitere haben wir in unserer Planung berücksichtigt. So ist das Gebäude in mehrere kleinere Einheiten unterteilt und mit ablesbaren, einladenden Hauszugängen versehen. Damit wird die Identität der Bewohner mit ihrem Haus gestärkt und die Anzahl der Wohnungen, die über ein Treppenhaus erschlossen werden, deutlich reduziert. Die Treppenhäuser sind zudem an der Fassade positioniert und bieten viel Tageslicht. Die Grundrisse der Wohnungen sind einerseits effizient, andererseits wirken sie räumlich großzügig. Alle größeren Wohnungen sind zum „Durchwohnen“ geplant, wodurch sie von zwei Seiten belichtet und belüftet werden.

Gibt es weitere Qualitäten, die das künftige Wohngebäude prägen werden?

Mir gefällt der Wohnungsschlüssel: Das Gebäude bietet unterschiedlich große Wohnungen, von kleinen Studios bis hin zu Vier-Zimmer-Wohnungen. Damit ist es für Familien mit Kindern ebenso geeignet, wie für Paare und Singles. Der begrünte Innenhof bietet allen Bewohnern eine hohe Aufenthaltsqualität im Freien. Alle Wohnungen sind räumlich attraktiv, sie sind in Bezug auf die Himmelsrichtung optimal orientiert und erlauben durch die großen Fensterflächen eine sehr gute Tageslichtnutzung. Einen Aspekt möchte ich noch herausstellen: Alle Wohnungen verfügen über Loggien, die in das Volumen der Gebäude eingelassen sind. Diese geschützten Freiräume ergänzen die Wohnqualität ungemein und bieten tolle Ausblicke zugleich. Die Loggien sind durchgängig großzügig dimensioniert und zwar unabhängig von der Größe der angrenzenden Wohnung – eine Seltenheit im Wohnungsbau.

Wodurch zeichnen sich Ihre Bauwerke aus und was ist Ihnen bei Ihren Bauwerken besonders wichtig?

Unsere Bauwerke sind manchmal eigenständig, kraftvoll und unverwechselbar in ihrer Erscheinung. Manchmal sind sie eher zurückhaltend, manchmal gar bescheiden. Dies ist für mich kein Widerspruch. Wichtig ist es, dass sie ein tiefes Verständnis für die vorgefundene Situation zeigen und den Ort durch ihre Realisierung im positiven Sinne langfristig beeinflussen. Wichtig ist es zudem, dass die Bauwerke von Menschen angenommen werden, aus welchen Gründen sie auch immer aufgesucht und wofür sie auch immer genutzt werden. Wenn sie zum Schluss den Menschen gar eine Freude bereiten, dann sind alle Ziele erreicht, denn das ist die größte Auszeichnung, die ein Architekt bekommen kann.

Wir bedanken uns für das Gespräch!